Wenn Dr. Ronald Steinhoff vom Wasserkraftwerk spricht, kann man sich seiner Faszination für dieses Wunderwerk der Technik kaum entziehen. Seine Begeisterung ist ansteckend und macht neugierig.
Knapp 30 Gäste folgten daher gespannt seinen Ausführungen am vergangenen Samstag vor und in dem Villmarer Wasserkraftwerk an der Lahn. Zuvor begrüßte Viola Krieger, Sprecherin des Ortsverbandes Bündnis 90/Die Grünen die Teilnehmer des Ortstermins. Auf Initiative der Villmarer Grünen hatte Familie Steinhoff die Türen des Gebäudes an diesem Tag geöffnet und informierte über den Stand der Dinge und geplante Vorhaben.
1864 baute Salomon Matrix diese Mühle, um den Lahnmarmor aus den Steinbrüchen zu verarbeiten. 1892 wurde die Marmorfabrik von Dyckerhoff & Neumann übernommen. 1979 wurde die Marmorfabrik geschlossen und der Strom der Turbine bis zum heutigen Tag in das öffentliche Netz eingespeist. Im September 2024 wurde die Anlage durch die „Wasserkraft Villmar GmbH“ übernommen und modernisiert.
Das Herzstück der Anlage, die vertikale Francisturbine aus dem Jahr 1911, pocht noch immer unermüdlich und vor allem lautstark. Lediglich eine moderne, digitale Steuerung unterstützt sie nun, und so wurde auch eine Fernwartung möglich. Das Zimmer mit kleiner Kochecke und einem Fußboden aus Villmarer Marmor für den Wachdienst wird nun nicht mehr rund um die Uhr bewohnt. Heute dient es als Aufenthaltsraum für Maren und Ronald Steinhoff, wenn wieder mal persönlicher Einsatz gefordert ist wie beispielsweise den Mühlgraben von Geröll zu befreien.
Optimiert wurde auch der vorhandene Rechenreiniger durch gründliche Überarbeitung, neue Befestigung und zusätzliche hydraulische Funktionalität. Dadurch konnte eine Leistungssteigerung um 15 bis 20 Prozent auf jetzt 60 kW Regelleistung und 600.000 kWh/a erreicht werden.



Überzeugt davon, dass Wasserkraftstrom an der Lahn mit 85 GWh/a der größte regionale Beitrag zur Energiewende und zum Klimaschutz ist, sieht Steinhoff auch für Villmar einiges an Potential. Durch Erweiterung des Turbinenhauses mit einer zusätzlichen Turbine kann die Energieerzeugung verdoppelt oder verdreifacht werden. Damit wäre beispielsweise die Einrichtung eines E-Ladeparks für PkW machbar. Auch die Versorgung der König-Konrad-Halle mit Strom – und damit eine deutliche Kostenersparnis für die Gemeinde – ist angedacht. Umgesetzt wird dann auch ein Fischaufstieg, um den Fischen die Überwindung des Wehres zu ermöglichen. Bisher ist dies nur für schwimmstarke Arten und über die Schleuse möglich.
Bevor es allerdings so weit ist, muss noch einiges an behördlichen „Stromschnellen“ gemeistert werden, so Dr. Steinhoff: „Einiges liegt dabei an uns und manches am Regierungspräsidium. Die Unterstützung seitens der Gemeinde Villmar ist in jeder Hinsicht optimal.“
Zum Abschluss des Ortstermins luden die Steinhoffs noch zu einer Tasse Kaffee und Gebäck hinter dem Gebäude ein. Ein idyllischer Ort, der zeigt, wie die Energieerzeugung von stetigem erneuerbarem Strom, also Klimaschutz, Schutz der Gewässerökologie und Wertschöpfung in der Region vereinbar sind.
Hier war noch mal ausgiebig Gelegenheit, sich zu informieren, miteinander ins Gespräch zu kommen oder einfach nur die malerische Aussicht auf die Lahn und die Marmorbrücke zu genießen.
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