Unsere Anfragen zur Gemeindepflege

Zur Sitzung der Gemeindevertretung am 18. Juni 2026 haben wir folgende Anfrage gestellt:

Seit dem Jahr 2024 ist die Stelle der Gemeindepflegerin im Marktflecken Villmar besetzt, befristet bis Ende Dezember 2026. Bereits im Jahr 2020 setzte sich die damalige AAV-Fraktion, heute Bündnis 90/Die Grünen, für die Schaffung dieser Stelle ein. Nach der Förderzusage des Landes Hessen über 80 Prozent der Personalkosten konnte die Gemeindepflegerin im MONAT 2024 ihre Arbeit aufnehmen.

Die aktuell gültige Förderrichtlinie des Landes Hessen läuft zum 31.12.2026 aus. Das zuständige Ministerium erarbeitet derzeit die neue Förderrichtlinie, die zum 01.01.2027 in Kraft treten soll. Nach Aussage der Gesundheitsministerin wird ein flächendeckender Ausbau angestrebt. Belastbare Informationen zu konkreten Förderbedingungen oder einer Übergangsregelung liegen derzeit nicht vor.

Vor diesem Hintergrund und angesichts der Bedeutung der Gemeindepflege für Beratung, Prävention und soziale Teilhabe im Marktflecken Villmar bitten wir um die Beantwortung unserer Fragen:

Die Fragen und Antworten:

Wie viele Beratungen bzw. Verweisberatungen wurden seit Besetzung der Stelle der
Gemeindepflegerin durchgeführt?

Seit Beginn der Tätigkeit der Gemeindepflegerin im Juli 2024 wurden insgesamt 300
Beratungs- und Unterstützungsprozesse durchgeführt. Dazu zählen persönliche
Hausbesuche, telefonische Beratungen, E-Mail-Anfragen, Gespräche in Bürosprechstunden
sowie Kontakte im Rahmen von Veranstaltungen. Im zweiten Halbjahr 2024 betreute Frau
Stock 23 Klientinnen und Klienten und führte 47 Hausbesuche durch. Im Jahr 2025 kamen
rund 80 Klientinnen und Klienten hinzu, begleitet von 98 Hausbesuchen. Neben diesen
dokumentierten Einsätzen fanden zahlreiche Verweisberatungen statt, bei denen Betroffene
oder Angehörige an geeignete Netzwerkpartner vermittelt wurden. Besonders auffällig war der
Anstieg von Anfragen durch Angehörige, die nicht in Villmar leben und sich teilweise aus dem
Ausland meldeten. Dies zeigt die aktuell veränderten Familienstrukturen. Insgesamt zeigt sich,
dass die Gemeindepflege seit ihrer Einführung eine hohe Nachfrage erfährt und eine zentrale
Rolle in der Beratung und Unterstützung der Bevölkerung einnimmt. Seit Anfang diesen Jahres
sind aktuell 21 neue Klienten und Klientinnen mit mehrmaligen Hausbesuchsterminen
aufgenommen worden.

Wie ist die Gemeindepflege des Marktfleckens Villmar mit anderen
Gemeindepflegerinnen im Landkreis vernetzt und welche Synergien ergeben sich
daraus?

Die Gemeindepflege Villmar ist eng in die Strukturen des Landkreises Limburg-Weilburg
eingebunden. Regelmäßige Austauschtreffen insbesondere mit den Gemeindepflegerinnen
des Landkreises und darüber hinaus mit allen hessischen Gemeindepflegekräften ermöglichen
eine kontinuierliche Abstimmung, gemeinsame Fallbesprechungen und die Entwicklung
abgestimmter Unterstützungsangebote. Die Zusammenarbeit mit der Kreisverwaltung,
Sozialpsychatrischer Dienst, Betreuungsbehörde, Pflegestützpunkt, der Leitstelle „Älter
werden“, Selbsthilfekontaktstelle, der Ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatung (EUTB)
sowie weiteren sozialen und medizinischen Einrichtungen schafft kurze Wege und erleichtert
die Vermittlung passender Hilfen. Frau Stock ist mit den hier ortsansässigen und regionalen
Pflegediensten, Pflegeheimen, Krankenhäusern, Arztpraxen u.v.m vernetzt. Ein sichtbares
Ergebnis dieser Vernetzung war die kreisweite Aktionswoche zur (Gem-) Einsamkeit, die in
allen Ortsteilen Villmars Angebote bereitstellte und mit einer großen gemeinsamen
Abschlussveranstaltung endete. Die enge Kooperation führt zu einer höheren
Versorgungssicherheit, einer besseren Erreichbarkeit von Hilfen und einer deutlichen Stärkung
der sozialen Infrastruktur im ländlichen Raum.

Welche Veranstaltungen wurden seit Juli 2024 organisiert und wie viele Personen
nahmen teil?

Seit Juli 2024 wurden zahlreiche Veranstaltungen durchgeführt, die sowohl der Information als
auch der sozialen Teilhabe dienten. Im zweiten Halbjahr 2024 fanden digitale Schulungen mit
Ehrenamtlern in vier Ortsteilen statt, an denen insgesamt 46 Personen teilnahmen. Zudem
wurde ein Vortrag zur elektronischen Patientenakte und zum E-Rezept angeboten durch die
„digitalen Engel“ aus Berlin, der 24 Teilnehmende erreichte. Im Jahr 2025 folgten weitere
Veranstaltungen, darunter ein Vortrag zum Thema „Essen und Trinken bei Demenz“, in
Kooperation mit der Kreissparkasse Weilburg zum Thema Onlinebanking, sowie ein Vortrag
zu KI- im Alltag von Senioren. Ein besonderer Höhepunkt war die Aktionswoche zur (Gem-)
Einsamkeit, an der allein in Villmar 96 Seniorinnen und Senioren teilnahmen. Die Abschluss-
Schifffahrt im Rahmen der kreisweiten Aktion erreichte rund 100 Teilnehmende aus dem
gesamten Landkreis, mit dem Ziel übergemeindliche Kontakte zu knüpfen. In 2026 wurden
bereits in allen Villmarer Ortsteilen unverbindliche Sprechstunden in den Gemeindehäusern
angeboten. Hierzu wurden Infomaterialien, Notfalldosen und Wichtig-Mappen kostenlos
bereitgestellt. Damit konnten auch Bürgerinnen und Bürger persönlich erreicht werden, die
bisher noch nicht mit dem Angebot der Gemeindepflege in Kontakt kamen. Mit dem Hospiz-
und Palliativteam Beselich-Obertiefenbach wurde im März 2026 ein Vortrag mit über 20
Besuchern, zum Thema-Würdevolle Begleitung am Lebensende- organisiert. Hierzu kam auch
Fachpersonal aus Arztpraxen. Auch weitere Angebote sind in den nächsten Wochen und
Monaten geplant: die Rollende Beratung vom Blickpunkt Auge, ein Vortrag mit der AOK zum
Thema Pflege, die Aktionswoche (Gem-) Einsamkeit im September und vieles mehr.

Wie profitieren die einzelnen Ortsteile konkret von der Arbeit der Gemeindepflege?

Alle Ortsteile Villmars profitieren von der Gemeindepflege, da die Angebote einheitlich
dezentral und wohnortnah gestaltet werden. Hausbesuche finden in allen Ortsteilen statt,
sodass auch Menschen mit eingeschränkter Mobilität erreicht werden. Die digitalen
Schulungen wurden gezielt in vier verschiedenen Ortschaften angeboten, um möglichst vielen
Bürgerinnen und Bürgern den Zugang zu ermöglichen. Darüber hinaus ist die
Gemeindepflegerin regelmäßig bei Veranstaltungen vor Ort präsent, wodurch Anliegen direkt
aufgenommen werden können. Die Gemeindepflege nutzt vielfältige Kommunikationswege,
den Villmarer Boten, Infotafeln, Aushänge im Ort, Social Media, die Homepage des
Marktflecken Villmars und lokale WhatsApp-Gruppen, um alle Ortsteile gleichermaßen zu
informieren. Darüber hinaus wurden in allen Ortsteilen verschiedene Aktionen, darunter auch
Bewegungsangebote, Sturzprophylaxe u.v.m. angeboten. Dadurch entsteht ein
niedrigschwelliger Zugang zu Beratung und Unterstützung, der die Lebensqualität in allen
Ortschaften für die Zielgruppe stärkt und die soziale Teilhabe fördert.

Wie gestaltet sich beispielhaft eine Beratung durch die Gemeindepflege und welche
Themen stehen im Mittelpunkt?

Eine typische Beratung beginnt mit einem Erstkontakt per Telefon, E-Mail oder im Rahmen
einer Sprechstunde. Anschließend erfolgt in der Regel ein Hausbesuch, bei dem die Lebens-
und Gesundheitssituation der betroffenen Person umfassend eingeschätzt wird. Durch die
berufliche Erfahrung als Physiotherapeutin kann die Gemeindepflegerin dabei nicht nur soziale
und organisatorische Aspekte beurteilen, sondern auch körperliche Einschränkungen,
Mobilitätsprobleme, Sturzrisiken und funktionelle Fähigkeiten fachlich fundiert einschätzen.

Dies ist ein entscheidender Mehrwert, da viele Ratsuchende körperliche Einschränkungen
haben, die im Alltag zu Unsicherheiten oder Überforderung führen.
Häufig geht es um Fragen zu Pflegeleistungen und Pflegegraden, Vorsorgevollmachten,
Patientenverfügungen, Schwerbehindertenausweise oder die Suche nach
Kurzzeitpflegeplätzen, Pflegehilfsmittel oder Zuzahlungsbefreiungen, Unterstützung bei
Behörden- und Formularangelegenheiten. Sowie das Erkennen von Einsamkeit und sozialer
Isolation sowie Vermittlung zu passenden Angeboten, Alltagsstrukturierung und
Krisenbewältigung, z. B. nach Krankenhausaufenthalten oder familiären Veränderungen,
Überprüfung der häuslichen Versorgung, ob Essen auf Rädern, Hausnotruf, Haushaltshilfen,
Tagespflege oder Betreuungsdienste notwendig werden, Erkennen von Überlastung bei
pflegenden Angehörigen und Vermittlung zu Entlastungsangeboten, Moderation bei familiären
Konflikten, wenn unterschiedliche Vorstellungen über Pflege oder Wohnformen bestehen.
Auch die Befähigung zur digitalen Teilhabe gewinnt zunehmend an Bedeutung, etwa beim
Umgang mit Smartphones, Onlinebanking, der elektronischen Patientenakte oder dem
E-Rezept. Die Gemeindepflege unterstützt hier niedrigschwellig und praxisnah.
Die Beratung endet nicht mit dem einmaligen Gespräch. Häufig erfolgt eine längerfristige
Begleitung, bei der Veränderungen im Gesundheitszustand frühzeitig erkannt und angepasst
werden können. Durch die gute Unterstützungsleistung entsteht eine kontinuierliche, fachlich
fundierte Unterstützung, die sich eng an den individuellen Bedürfnissen der Betroffenen
orientiert.

Was passiert, wenn die Stelle nach Ablauf der Förderung nicht fortgeführt werden kann?

Die Stelle der Gemeindepflegerin im Marktflecken Villmar ist derzeit bis zum Ende des Jahres
gefördert. Der Arbeitsvertrag ist entsprechend an diesen Förderzeitraum gebunden.
Im Rahmen der Haushaltsberatungen 2026 wurde die Fortführung der Stelle intensiv beraten
und hierzu ein Beschluss gefasst. Auch wenn der Haushalt von der Kommunalaufsicht nicht
genehmigt wurde, bleibt der beschlossene KW-Vermerk für diese Stelle nach aktuellem Stand
bestehen. Eine Verlängerung ist daher derzeit nicht vorgesehen, sofern die
Gemeindevertretung keinen anderslautenden Beschluss fasst.
Der bestehende Beratungs- und Informationsbedarf kann nach Wegfall der Stelle nicht durch
die Gemeindeverwaltung aufgefangen werden. Hierfür stehen weder die personellen
Kapazitäten noch eine vergleichbare niedrigschwellige, aufsuchende und koordinierende
Struktur zur Verfügung.
Künftig könnten Bürgerinnen und Bürger daher lediglich auf bestehende externe
Beratungsstellen, soziale Träger und Angebote des Landkreises verwiesen werden. Eine
kontinuierliche Begleitung und direkte Unterstützung vor Ort, wie sie durch die
Gemeindepflegerin erfolgt, würde entfallen.
Für das soziale Leben im Marktflecken Villmar bedeutet dies, dass insbesondere ältere,
alleinlebende und unterstützungsbedürftige Menschen weniger wohnortnahe Hilfe erhalten
würden.

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